TRANS* - JA UND?!

Projekt für Empowerment und gegen Diskriminierung von jungen Trans*

Autor: transjaund Seite 1 von 10

Brief an die Anerkennung

Meine Rennstrecke

Geradeaus und in die Kurven; eine lange Strecke.
Viel Gas, was dabei draufgegangen ist. Viel Energie. Viel Zeit.
Aber niemals Stillstand.

Es war meine Strecke, mein Leben, meine geraden Abschnitte und meine scharfen Kurven. Und es war mein Tempo. Mal langsamer, mal schneller.
Aber niemals Stillstand.

Meine Gedanken saßen nicht immer mit mir in meinem Wagen; manchmal waren sie schneller. Manchmal auch weit hinterher. Sehr weit.
Mein Wagen hatte dennoch niemals Stillstand. Es musste weitergehen.

Ich wusste: irgendwo am Ende der Strecke gibt es ein Ziel. Ich konnte es lange Zeit nicht sehen, aber ich hatte immer das Gefühl, dass es sich lohnt dort hinzukommen.
Irgendeinen Grund hatte das Weiterfahren immer.

Ich wollte glücklich werden. Glücklicher als vorher. Mit einem Lachen auf den Lippen, das tief aus meinem Herzen kommt. Mir bedingungslose Freude bereitet.
Ein Lachen, bei dem ich ICH sein kann.
Ein Lachen, das ansteckt, weil es so unfassbar authentisch ist.
In meinem Wagen, meinem Leben, meinem Tempo, zu meinem Glück.

Die Tage, Wochen, Monate und Jahre zogen dahin und mein Wagen schoss weiter über die Rennstrecke. Am Rande immer wieder verschiedene Menschen und gedankliche Themen. Und der ganz normale Alltag.
Fragen nach meiner sexuellen Orientierung und immer wieder die Antwort, dass diese wohl mehr ein See aus Hilflosigkeit und Ungewissheit, als eine konkrete Beschreibung ist.

Manchmal fuhr ich langsamer und manchmal schneller.
Meine Rennstrecke, mein Wagen, mein Tempo, meine Entscheidungen.
Und trotzdem lange Zeit kein sichtbares Ziel.

Wenn nach so einer Zeit die Zielgerade dann sichtbar ist, dann ist das manchmal ganz schön überfordernd. Immerhin habe ich jahrelang nur meine Rennstrecke gesehen. Da kam etwas Neues auf mich zu. Mein Ziel wurde konkreter.
Mein Gewinn kam so viel näher.
So lang wie die Strecke war, so lang ist die Zielgerade zum Glück nun nicht mehr.

Es schließ sich einfach nicht gegenseitig aus, dass man Trans* und glücklich ist.
Ich komme an.
Ich werde langsamer. Mein Kopf wird freier.
Mein Ziel ist zum greifen nah. Das erste Mal seit Jahren.

Ich habe es geschafft.

Trans und Happy

Trans und Happy ist eine wundervolle Kombination, da sie sinnvoll und logisch ist. Ein Mensch wird normalerweise durch die Transition glücklicher und akzeptiert den eigenen Körper mehr und die Dysphorie geht zurück. Er wird freier, glücklicher, und der Psychische Zustand verbessert sich. Natürlich ist diese Kombination für viele cis-Menschen unvorstellbar, und gerade in der Selbstfindungsphase selten, aber im Späteren Leben einer Trans-Person möglich und wünschenswert. Außerdem gibt es eine Art Stolz nach der Transition, wieweit man es geschafft hat, und wie viele Mauern und Hindernisse man geschafft hat zu überwinden, um heute da zu stehen wo man steht.

Von Ben K.

Mein Regenbogen und ich

Mein Regenbogen kann sich zeigen muss es aber nicht. Er und ich sind eins uns kann man nicht trennen und wir gehören zusammen. In mir drin strahlt er immer mit stolz. Nur zur Aussenwelt hin muss ich ihn beschützen, da viele ihn vielleicht nicht mögen oder ihn nicht akzeptieren können. Nur in sicheren Orten wie zum Beispiel hier im Camp zeige ich ihn und damit meine Queerness gerne und mit stolz. Wo hingegen in der Schule ein großer teil von ihm verborgen gehalten wird,wie auch der echte Regenbogen vollständig sichtbar erstrahlt aber überall auftauchen könnte.

Von Ben K.

Ich bin ein Alien

Ich bin ein Alien.
Ich verstecke mich,
tarne mich als Mensch,
um in der Welt da draußen zu überleben.

Jeden Tag ziehe ich mir diese Hülle an.
Sie engt mich ein,
nimmt mir die Atemluft,
lässt mich nur verschwommen durch ein paar Schlitze gucken.

Es ist so schwer sich draußen zurechtzufinden ohne ihre Sprache zu sprechen,
ihre Bräuche zu kennen
und ihre Systeme zu verstehen.

Ich darf nicht auffallen.
Sie würden mich verachten,
angeekelt sein,
mich jagen,
und zur Kuriosität erklären.

Als ekelhaft,
abartig,
gestört,
minderwertig.

Sie stecken mich in ein Glas,
beobachten mich,
lachen mich aus,
machen Tests mit mir,
lassen mir nichts, außer meiner natürlichen Hülle.
Entblößen mich,
gucken in jede Öffnung,
öffnen mich,
konservieren mich,
stellen mich aus.

Deshalb muss ich angepasster sein als alle anderen!
Ihre Sprache sprechen,
ihren Regelkatalog auswendig lernen,
wie sie laufen lernen,
und die enge Hülle tragen.
Jeden Tag.

Doch wenn ich zu Hause bin,
die Tür abschließe,
die Vorhänge zuziehe,
reiße ich mir die Maske runter,
schäle ich mich aus dem engen schwitzigen Kostüm
und all meine natürliche Schönheit wühlt sich langsam den Weg zurück.
Ich breite mich wieder aus,
ich atme,
sehe,
fühle wieder.

Ich bin frei.
Wenn auch nur eingesperrt in meiner eigenen Wohnung.

TB

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